Nur eine Erde für eine Welt (von Martin Köhl)

„Man sollte mal was gegen die Ausbeutung von Kleinbauern in sogenannten Entwicklungsländern tun.“, „Ist es nicht furchtbar, wie ganze Landstriche in Afrika verwüstet werden, auf der Jagd nach dem Edelmetall Coltan?“ „Es sollte endlich etwas unternommen werden gegen die Konsumorientierung unserer Gesellschaft.“

Kennen Sie das? Lauter gute Vorsätze und keiner davon lässt sich in die Tat umsetzen? Das muss nicht mehr sein: Besuchen Sie jetzt das Eine-Welt-Camp und lernen Sie zu „fairbrauchen“. Wenn Sie jetzt buchen, bekommen Sie neben spannenden Vorträgen und Workshops auch noch angeregte Diskussionen und Spaß GRATIS dazu.

Konsum und Wachstum – für jegliche Form der Werbung sind das Schlüsselbegriffe, denn. „Wachstum ist Fortschritt“.

Ein Zeichen gegen unnötigen und schädlichen Konsum setzten vom 29.05.13 – 02.06.2013 die über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des „Eine-Welt-Camps“ auf dem Jakobsberg bei Bingen am Rhein. Unter dem Motto „Fairbrauchen“ stand diesmal die kritische Beschäftigung mit dem eigenen und fremden Konsumverhalten im Vordergrund.

Dr. Andreas Fisch, Referent für Wirtschaftsethik im Sozialinstitut Kommende Dortmund, stellte in seinem Eröffnungsvortrag gleich zu Beginn des Camps die wichtige Frage in den Raum: Welche Macht haben die Verbraucher, welche Macht habe ich persönlich, um Unternehmen auf einen fairen Weg zu bringen? Was hat das Ganze mit mir zu tun?

Wir müssten nicht nur fair, sondern vor allem weniger konsumieren, betonte auch Soziologe Gerolf Hanke, denn auch Wachstum habe Grenzen. Brauche ich jedes Jahr ein neues Handy und muss ich wirklich Erdbeeren im Winter essen?

Denn eines stimmt nachdenklich: Würden alle Menschen so leben wie wir Deutschen, bräuchten wir die Ressourcen von drei Erden.

Vorträge, Erfahrungsaustausch und spirituelle Angebote und ein vielfältiges Angebot an Workshops standen auf dem Programm. Außerdem für das Camp aus Aachen und München angereist: Der „Menschen auf der Flucht Truck“ und das transmediale Lernerlebnis „missio for life“. Interessant und realistisch konnten Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfahren, was es bedeutet, überstürzt flüchten oder in den Müllbergen von Manila vom Abfall anderer leben zu müssen.

Die Entscheidung zwischen den einzelnen Workshops fiel oft schwer, um nichts Anderes zu verpassen: Ob  gemeinsame Pilates-Übungen oder ghanaisches Trommeln, ob im Planspiel „Kakaohandel auf dem Weltmarkt“ die prekäre Situation eines Kleinbauern am eigenen Leib erfahren oder doch lieber unter der fachkundigen Aufsicht einer Konditormeisterin selbst Pralinen aus fairen Zutaten herstellen – für fünf Tage fast ein bisschen viele Angebote. Es blieb dennoch Zeit zum gemeinsamen Musizieren, Diskutieren und Erzählen.

Auf viel Interesse stieß auch der Workshop „Eine Welt ohne Geld?“ von Raphael Fellmer, der seit 2010 im Geldstreik lebt. Beständig setzt er sich gegen die Lebensmittelverschwendung in Deutschland ein, hält Vorträge an Schulen und Universitäten – selbstverständlich unentgeltlich – und träumt von einer Gesellschaft, die ohne Geld auskommt.

Nach einem bunten und sehr kreativen Festabend, der von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gestaltet wurde, ging das Camp am Sonntagmorgen mit einem Abschlussgottesdienst zu Ende. Und was bleibt von der ganzen Theorie jetzt im Alltag zurück?

Vieles. Denn für einen Großteil der jungen Erwachsenen ist die Beschäftigung mit der Eine Welt-Thematik nichts Neues: Viele haben selbst als „MissonarIn auf Zeit“ (MaZ) Erfahrungen im Ausland gesammelt oder bereiten sich gerade auf einen Freiwilligeneinsatz als MaZ vor, an unterschiedlichsten Orten unserer Einen Welt.

Na, dann: Spannende Erfahrungen und bis in zwei Jahren zum nächsten Eine-Welt-Camp!

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