Erfahrungsbericht (von Miriam Weweler)

Da saß ich nun also im Zug, dessen Linie sich direkt am Rheinufer entlang wandt und sich langsam aber stetig dem Jakobsberg und somit dem Eine Welt Camp nähern sollte. Es wäre wohl ein schöner Anblick auf den Rhein gewesen, hätten die dunklen Regenwolken diese Aussicht nicht mit ihren dicken Wassertropfen überschattet. So blickte ich eher trübselig als gespannt aus dem Fenster und wünschte mir insgeheim doch jetzt schon wieder zu Hause zu sein. Ich hatte mir zuvor nicht viele Gedanken über das Camp gemacht und somit auch keine hohen Erwartungen, aber ein Camp im Regen – was sollte das nur werden?

Nach einer langen Reise kam ich dann etwas erschöpft auf dem Jakobsberg an. Immerhin waren da schon einige bekannte Gesichter; zwei Steyler MaZler, die ich bereits von diversen Vorbereitungsseminaren kannte und zwei Mädels, die ich beim Chileseminar kennen gelernt habe. Schon fühlte ich mich nicht mehr so alleine und gleich am ersten Tag wurde mir der herzliche Umgang miteinander bewusst und meine Laune schien sich zu bessern.

Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase, in der ich mich auf dem Zeltplatz orientierte und die anderen etwas näher kennen lernen durfte, wurde die „MaZ-Geist-Atmosphäre“, wie ich sie schon auf den Steyler Vorbereitungsseminaren miterleben konnte, mal wieder spürbar. Da war sie wieder; diese doppelte Verbundenheit untereinander: Zum einen die Sehnsucht, in unserer Einen Welt etwas zu bewirken und dabei vielleicht sogar sich selbst mehr auf die Spur zu kommen und zum anderen unser Glaube, der für viele wohl eine tragende Rolle für die Entscheidung und Bewältigung eines MaZ-Einsatzes spielt. So kam es, dass wir uns alle wohl mehr oder weniger auf einer Wellenlänge befanden, was eine gute Grundlage für angeregte Gespräche bildete. Ein Gespräch zu beginnen, fiel dabei nicht schwer. Üblicher- und praktischerweise knüpfte man direkt an den MaZ-Einsatz an: „Warst du schon im Ausland oder gehst du noch? Wo warst du oder wohin wirst du gehen? Was hast du da gemacht oder was wirst du dort machen?“ Und schon war man im Gespräch vertieft. Mir persönlich hat es besonders gut gefallen, auch mit Rückkehrern zu sprechen, die von individuell sehr verschiedenen Erfahrungen im Ausland berichteten. Aber auch der Austausch mit dem jetzigen MaZ-Jahrgang (wozu auch ich gehöre) war mal wieder erfrischend. So habe ich weitere MaZler gefunden, die sich, genau wie ich, auf den weiten Weg nach Chile begeben werden. Und wer weiß; vielleicht wird man sich ja mal treffen können.

Während wir uns also im Laufe des Camps alle besser kennen lernten und somit die soziale Komponente immer weiter anstieg, befand sich meines Erachtens auch die kulinarische Seite auf einem aufsteigenden Ast. Denn bald schon gab es zu der alltäglich üblichen Suppe, die wir alle – der eine mehr, der andere weniger – zu schätzen wussten, eine lang ersehnte Beilage in Form von Nudeln oder Salat. Und auch wenn das Wetter nicht immer so mitspielte, ließ dieser Fortschritt doch so manches Gesicht erstrahlen.

Neben dem gemeinsamen Essen, Gesprächen, Spielen, Singen und Lachen, gab es aber natürlich auch eine reiche Fülle an inhaltlichem Input. Dabei hat mich besonders der einleitende Vortrag über das heutige Streben nach Konsum und Wachstum angesprochen. Der Vorsatz, „weniger ist mehr“, der uns mehr als nur einmal im Camp über den Weg lief, begleitet mich auch im Nachhinein im Alltag und lässt eine neue und intensivere Reflexion über den eigenen Verbrauch und Konsum zu.

Ein weiterer toller Programmpunkt stellte für mich das Konzert dar.  Während die Musik anfangs eher ruhig und nachdenklich stimmte, wurde es zum Ende deutlich peppiger, sodass wir die Band gar nicht mehr von der Bühne lassen wollten und sogar zeitweise ohne sie weiter sangen, damit sie dann irgendwann wieder mit einsteigen konnte.

Erschöpft vom Mitsingen und Klatschen während des Konzertes, ging ich dann noch zum Taizé-Gebet in einem schön hergerichteten, kerzenerleuchteten Raum. Hier konnte man nun zur Ruhe kommen und den ereignisreichen Tag ausklingen lassen. Und wenn dies für manche hieß, dass sie – inspiriert von den wunderschönen Taizé-Gesängen – bereits dort ins Land der Träume eintauchten, war dies sicherlich auch kein großes Problem. So entstand eine bedachte und ruhige „Schlummeratmosphäre“ von der sich der ein oder andere gerne anstecken ließ.

Den krönenden Abschluss des Camps bildete natürlich der „bunte Abend“. Mit verschiedensten Beiträgen wie stummen Sketchen, amüsanten Herzblattvariationen, überzeugenden Trommelvorführungen, musikalischen Darbietungen und vielem mehr wurde mal wieder eine herzerwärmende und heitere Atmosphäre geschaffen. Als dieses bunte Programm dann geendet hatte, ging es fließend weiter mit Musik und Tanz. Dabei hatte ich mir die Aufforderung, „Heute ist der letzte Abend; also schlaft nicht zu viel“, gleich mal zu Herzen genommen und tanzte vergnügt mit vielen weiteren MaZlern bis in die frühen Morgenstunden hinein.

Abschließend kann ich nun mit Begeisterung sagen, dass das Camp nicht nur inhaltlich, sondern auch menschlich eine Bereicherung für mich war, an die ich mich auch jetzt noch immer wieder gerne zurück erinnere. Somit haben sich meine anfänglichen Bedenken, die ich noch auf der Hinfahrt hegte wohl mehr als erübrigt. Denn auch wenn die Sonnenstunden doch zeitlich begrenzt waren, schien mitten unter uns der MaZ-Geist, der uns allen das Herz erwärmte.

So bleibt mir jetzt nur noch dem Kernteam und allen weiteren Organisatoren zu danken, die dieses Camp erst möglich und zu einem unvergesslichen Ereignis gemacht haben. Danke euch allen!

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